„In der Gegend zwischen Weißenfels und Zeitz wird eine erdige Braunkohle abgebaut, die eine großartige Mineralöl- und Paraffinindustrie ins Leben gerufen hat …“ schrieb 1880 Emil Riebeck, Sohn des Braunkohlenpioniers und -industriellen Carl Adolph Riebeck. Der Bodenschatz, auf dem diese Industrien basierten, waren Braunkohlen; ganz am Anfang dieser Entwicklung stand allerdings eine spezielle „weißlichgraue Kohle, die man am Kerzenlichte entzünden konnte und die dabei fast wie Siegellack brennende Tropfen fallen ließ“. Dieser Pyropissit war der Rohstoff, aus dem seit etwa 1850 fabrikmäßig Paraffin für die Kerzenherstellung produziert wurde und der auch für die weniger begüterte Bevölkerung „Licht in´s 19. Jahrhundert“ brachte. Der Vortrag spannt den Bogen von der Entstehung des Pyropissites in der Braunkohlen- und Eiszeit bis hin zur Entdeckung und verdeutlicht anhand kleiner experimenteller Demonstrationen die wirtschaftliche Nutzung dieser speziellen Kohlen im Mitteldeutschland des 19. Jahrhunderts.

Foto 1 - Proben

Historischen Pyropissit-Proben

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Kerzen aus Braunkohle,fotografiert in der Ausstellung des Bergbaumuseums Deuben

Im Rahmen der Reihe „Naturwissenschaftliche Vorträge“ entführt uns der sachsen-anhaltische Biologe Michael Unruh in die Landschaft des Saale-Unstrutgebietes zwischen Freyburg und Naumburg. Seine umfangreichen Untersuchungen zwischen 1998 und 2003 gaben ihm einen Einblick in die interessante Wirbellosen-Welt dieses Gebietes. In seinem Vortrag widmet er sich insbesondere den Spinnen, die sich hier mit 300 verschiedenen Arten nachweisen ließen. Der Hauptteil des Vortrages wird der Biologie und Ökologie ausgewählter Arten gewidmet sein, wobei Parallelen zu den Weinbaugebieten Westdeutschlands und besonders zu den wärmebegünstigten Gebieten an Rhein, Main und Mosel erkennbar sind. Auf die Bedeutung der Erhaltung der Trockenhänge durch Naturschutzmaßnahmen wird eingegangen.

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Wespenspinne  (Argiope bruennichi)

Foto: Anja Paditz

Als der Mensch den europäischen Kontinent vor etwa 50.000 Jahren besiedelte begannen die großen Grasfresser auszusterben. Die ganz Großen verschwanden zuerst – Waldelefant und Nashörner. Es folgten weitere bis in die heutige Zeit. Nur wenige, als Jagdwild genutzt und geschützt, blieben.

Große Graser wie Auerochse, Wisent, Büffel, Wildpferd oder Wildesel prägten ihren Lebensraum – sie entwickelten parkartige Graslandschaften. Viele Tier- und Pflanzenarten sind wiederum auf diese Landschaften angewiesen. Mit dem Aussterben der großen Graser veränderte sich unsere Landschaft und der Mensch begann selbst die Landschaft zu verändern. Die heutige Industrie-Agrarlandschaft ist das derzeitige Ergebnis… .

Fehlen die großen Graser in unserer Landschaft? Kann der „moderne Auerochse“ – die Kuh in der Milchviehanlage – ein Ersatz dafür sein oder sollten Auerochse, Wildpferd und Co. wieder in unserer Landschaft Fuß fassen? Gibt es Möglichkeiten für einen Ersatz ausgestorbener Tierarten?

Die Sonderausstellung Auerochse, Wildpferd & Co. – Mitteleuropas ausgestorbene „BIG FIVE“ stellt die einstigen großen Graser Europas vor und spannt den Bogen vom Beginn des Aussterbeprozesses bis in die Gegenwart, wo Konzepte als Ersatz gesucht und erprobt werden.

Eröffnungsvortrag: Edgar Reisinger (Naturforschende Gesellschaft Altenburg): „Weidelandschaft und Ästhetik“


Wisent Reisinger

Wisentbulle aus dem Projekt „Wisent-Wildnis im Rothaargebirge“

Foto: NfGA/ E. Reisinger


Pöllwitz Endtmann

Einsatz von Heckrindern zur Rettung der Heide im Pöllwitzer Wald (Projekt der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg)

Foto: NfGA/ E. Endtmann


In seinem Vortrag „Feldforschung an afrikanischen Libellen – was uns 60 neubeschriebene Libellenarten aus Afrika über den Stand der taxonomische Forschung erzählen“ berichtet der ehemalige Altenburger Jens Kipping über seine bereits jahrzehntelange Forschungsarbeit auf dem schwarzen Kontinent. Im Jahr 2015 beschrieben er und zwei seiner Kollegen aus Frankreich und den Niederlanden mit einem mal über 60 neue Libellenarten. Das sind seit über 130 Jahren die meisten Arten, welche auf einen Schlag als neu für die Wissenschaft beschrieben und benannt worden sind und immerhin über 10 Prozent der afrikanischen Fauna. Die neuen Arten stammen aus Ländern wie Angola, Gabun, Liberia, Sambia und dem riesigen Kongo. Der Vortrag berichtet über die Entdeckungsgeschichte, die Vielfalt der Arten und stellt mit farbenprächtigen Fotos die wilden, aber oft bedrohten Lebensräume der Tiere vor. Eine Herausforderung für die Forscher war neben der Vielzahl der zu beschreibenden Arten vor allem deren Benennung. Eine besonders kreative Idee wurde  außerordentlich belohnt. Eine Prachtlibelle der Gattung Umma aus Gabun wurde in Anlehnung an ein legendäres Pink Floyd Album aus dem Jahr 1969 mit dem wissenschaftlichen Namen Umma gumma benannt. Die führende Umweltuniversität ESF in den USA kürte daraufhin die Art in die Top-Ten der neubeschriebenen Arten des Jahres 2016. Das erste mal überhaupt, dass eine solche Ehre einer Libellenart zuteil wurde.

Umma gumma_Paarung_Jens_Kipping

Foto (J. Kipping): Ein Paar der Libellenart Umma gumma aus Gabun bei der Paarung. Die neubeschriebene Art wurde nach einem berühmten Pink Floyd Album benannt.

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BAV Tagung
 

Angesichts der diesjährigen extremen Dürre sind Pilze außerordentlich rar. Sommertrockenheit ist im mitteldeutschen Trockengebiet aufgrund der besonderen regionalen Klimaverhältnisse aber die Regel und magere Pilzjahre ebenfalls. Trotz dieser regionalklimatischen Bedingungen gibt es an Saale, Unstrut und in der südöstlichen Umrandung des Harzes einen außerordentlichen Reichtum an Pilzarten, nicht zuletzt durch zahlreiche thermophile (wärmebedürftige) Arten. Neben dem lokalen Klima spielt der geologische Untergrund eine wesentliche Rolle. Zahlreiche Pilze sind an bestimmte Bodenverhältnisse angepasst und mögen entweder basische oder saure Böden. Die geologischen Verhältnisse der Region verursacht ein kleinräumiges Mosaik verschiedenster Böden, so dass auf recht engem Raum Pilze verschiedenster Ansprüche ihren Platz finden, zumal die Bodenarten auch die Vegetation maßgeblich beeinflussen und somit das Angebot möglicher Mykorrhiza-Partner für die Pilze. Kurzum: Geologie und lokales Klima sind Hauptstandortfaktoren für eine ungemein reiche Pilzflora. Wenn nach trockenen, pilzarmen Jahren mal wieder ein ausreichend feuchtes und warmes Jahr ins Land geht, erscheint die ganze Fülle der Pilzarten und in günstigen Phasen kann man eine regelrechte Pilzexplosion beobachten, besonders im Herbst. Dann findet man an bestimmten Punkten („Hotspots“) zahlreiche Arten der seltenen Haarschleierlinge, oft auf den stark basischen, flachgründigen Muschelkalkböden. Andere Arten erscheinen eher auf Löss oder sauren Böden auf Buntsandstein. Auf mageren, naturbelassenen Wiesen und Trockenrasen können lebhaft gefärbte Saftlinge und Rötlinge wahre Farbfeuerwerke hervorbringen, wobei zahlreiche Arten wiederum entweder an Kristallingesteine, Buntsandstein oder Muschelkalk gebunden sind. Der Vortrag führt kurz in die geologische und klimatische Situation des mitteldeutschen Trockengebiets ein. Danach werden verschiedene bodenabhängige Pilzgesellschaften der Wälder und Wiesen mit teilweise extrem seltenen Arten vorgestellt.

A. Müller

Lilafarbene Wiesenkoralle (Ramaria pulchella

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Orangefarbener Wiesenellerling (Cuphophyllus pratensis)

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Rotvioletter Klumpfuß (Cortinarius rufo-olivaceus)

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Schönblauer oder Adel-Klumpfuß (Cortinarius terpsichores)

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Goldporiger Röhrling (Aureoboletus gentilis)

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Fotos: A. Müller

Seit 2015 beschäftigt sich die Naturforschende Gesellschaft Altenburg (NfGA) im Rahmen eines Projektes zur Entwicklung von Natur und Landschaft intensiv mit den Zwergstrauchheiden des Pöllwitzer Waldes bei Zeulenroda-Triebes. 1990 hinterließen dort die Grenztruppen der DDR ein durch militärische Nutzung geschaffenes, künstliches Offenland im Wald. Taktikgelände, Schießplatz, Sprengmittelplatz und Lehrgrenze heißen die Flächen, die heute für den europäischen Naturschutz wertvolle Lebensräume darstellen. Die Bemühungen um ihren Erhalt sind vielfältig und begannen bereits vor ca. 30 Jahren. Dennoch ist der Zustand der Heiden derzeit nicht zufriedenstellend. Durch die Mitarbeiter der NfGA wurden neue Pflege- und Nutzungskonzepte für die Heideflächen entwickelt und z.T. bereits erprobt. Über erste Erfolge und zukünftige Lösungsansätze berichtet die neue Sonderausstellung „Komplett violett – Das Ringen um die Heide im Pöllwitzer Wald“ im Naturkundemuseum Mauritianum. Diese wird am 23. September 2018 um 15.00 Uhr eröffnet. Interessierte sind herzlich eingeladen.

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Das Naturschutzgebiet „Phönix Nord“ ist Teil der ostthüringischen Bergbaufolgelandschaft. In unserer intensiv genutzten Landschaft gehört das weitestgehend ungestörte Gebiet mit seiner hohen Anzahl unterschiedlicher Biotope zu den wertvollsten Naturräumen des Altenburger Landes. Zahlreiche seltene, geschützte und im Bestand bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden hier geeigneten Lebensraum. Ohne menschliches Zutun breiten sich jedoch Bäume und Sträucher auf den wertvollen Offenlandflächen aus und die Artenvielfalt auf diesen Sonderstandorten geht beträchtlich zurück. Zum Erhalt der offenen Lebensräume hat die Naturforschende Gesellschaft Altenburg ein ENL-Projekt initiiert, welches mit Hilfe robuster Weidetierrassen die Verbuschung eindämmen soll. Die Methode der extensiven Ganzjahresbeweidung mit Pferden und Rinderartigen schafft und erhält Lebensräume für Vögel, Reptilien, Insekten und andere Arten, die in unserer Kulturlandschaft kaum noch geeignete Lebensräume finden. Am 01.09.2018 laden die Projektmitarbeiter Anja Rohland und Simon Rockstroh zu einer Wanderung durch das Naturschutzgebiet „Phönix Nord“ ein, um die naturschutzfachlichen Besonderheiten der ehemaligen Grube aufzuzeigen und die Schutzziele zu erläutern.

Termin: 01.09.2018, 9 – ca. 11.30 Uhr

Ort: Falkenhain Kreuzung Friedrich-Engels-Straße/ Gartenstraße (am Alten Rittergut)

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Trockenrasen mit offenen Sandstellen – Lebensraum für Insekten, wie z.B. Wildbienen

 

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Die „Schönen der Nacht“, werden sie in Fachkreisen liebevoll genannt. Gemeint sind Fledermäuse. Die, die mit ihren Ohren sehen, mit ihren Händen fliegen und mit bis zu 880 Herzschlägen pro Minute durch die Dunkelheit rauschen. Wer mehr über die bedrohten Nachtlebewesen erfahren will, sollte die Internationale Fledermausnacht am 25. und 26. August nutzen und an einer der vielen Exkursionen und Feste des NABU teilnehmen. Viele Veranstaltungen finden auch schon im Vorfeld der „Batnight“ statt.

In Altenburg gibt die Biologin und NABU-Mitglied Anja Rohland am 25.08.18 Einblicke in das Leben der Fledermäuse. Als Exkursionsort dient diesmal der Große Teich, der jetzt in warmen und trockenen Sommernächten von Fledermäusen als Jagdgebiet genutzt wird.

Treffpunkt ist die Brücke am Inselzoo, 20 – ca. 22 Uhr.   

Die Hauptveranstaltung zur 21. Batnight findet in diesem Jahr im Schlosspark Oldenburg statt. „Im Spätsommer suchen die meisten europäischen Fledermausarten nach geeigneten Winterquartieren, die ihnen für die kalten Monate ausreichend Schutz bieten, daher kann man die Tiere an bestimmten Stellen nun besonders gut beobachten“, erläutert Anja Rohland vom NABU Altenburger Land.

Hauptursache für die Gefährdung der 25 heimischen Fledermausarten ist der Verlust von geeigneten Lebensräumen. Alte Baumbestände, die in ihren Höhlen und Ritzen vielfältigen Unterschlupf gewähren, verschwinden zunehmend. Ritzen, Fugen und Spalten, die durch die Modernisierung von Fassaden und Dächern verloren gehen, sollten durch künstliche Ersatzquartiere an derselben Stelle ersetzt werden. So schreibt es auch das Bundesnaturschutzgesetz vor.

Veranstaltet wird die bereits zum 22. Mal stattfindende „International Batnight“ von EUROBATS, dem Europäischen Büro für Fledermausschutz. In der Bundesrepublik organisiert der NABU die Batnight. Durch die Aktion soll auf die Bedrohung der Tiere aufmerksam gemacht werden.

Alle Termine der NABU-Gruppen zur „Batnight 2018“ finden Sie unter:

www.nabu.de/aktionenundprojekte/batnight/termine/

Hintergrundinformationen finden Sie unter www.batnight.de

 Braunes Langohr

Foto: E.Grimmberger/NABU

Nach drastisch anmutendem Technik-Einsatz im Pöllwitzer Wald im Februar 2017 grünt es nun auf der sogenannten Lehrgrenze wieder. Aus überalterter Heide und Birkendickicht entwickelt sich, ganz gemächlich, eine junge Heide. Die zarten Pflänzchen zu erkennen, ist allerdings nicht immer einfach. Daher bieten die Mitarbeiter des Naturschutz-Projektes „Zwergstrauchheiden Pöllwitzer Wald“ der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg (NfGA) allen Interessierten die Möglichkeit, den Blick zu schärfen. Am Freitag, dem 24. August 2018 laden wir Sie zu einer kurzen Wanderung in den Feierabend ein. Um 17.00 Uhr wird an der Waldschranke oberhalb des Schullandheims in Wellsdorf (Gemeinde Langenwetzendorf) gestartet. Bei der ca. 1,5 stündigen Tour über die derzeit mit Ziegen, Schafen und Eseln beweidete Heide werden die bisher umgesetzten Maßnahmen zu ihrem Erhalt, ihre Erfolge aber auch ihre Probleme erläutert. Dabei sollen die Besucher die verschiedenen Altersstadien des Heidekrauts kennenlernen. Besonderes Augenmerk wollen die Exkursionsleiter aber auf die Vorstellung der nächsten Aktivitäten zum Heideschutz legen. Denn schon ab Ende August wird schwere Forsttechnik ihre Arbeit im Dienste des Naturschutzes aufnehmen. Warum und wie? Fragen Sie Nico Kießhauer und Elisabeth Endtmann von der NfGA! Beide freuen sich auf anregende Gespräche, insbesondere mit den Anwohnern des Pöllwitzer Waldes.

Kinder sind bei dieser kurzen Wanderung herzlich willkommen! Um die Weidetiere nicht zu beunruhigen, wird aber darum gebeten, keine Hunde mit zu bringen. Von Vorteil ist auch festes Schuhwerk!

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Abb. 1: Im März 2017 war ein Teil der Lehrgrenze noch grau und kahl, kein Grün weit und breit.

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Abb. 2: Schon im August 2017 zeigten sich die ersten, nur mit der Lupe erkennbaren Jungpflanzen des Heidekrauts.

Etwa 1 Jahr später sind sie bereits 2 cm hoch. Ein „großer“ Erfolg!

Fotos: E. Endtmann (NfGA)

 
Ansprechpartner        Dr. Elisabeth Endtmann
Am Wehrrasen 16a
04626 Schmölln / OT Großstöbnitz
Tel.: 034491 / 582269
E-Mail: endtmann@mauritianum.de