Ekkehard Jost – Jazzgeschichten aus Europa

Ekkehard Josts „Jazzgeschichten aus Europa“ erzählen von besonderen Phasen und Stationen eines jahrzehntelangen historischen Prozesses, in denen eine amerikanische Musik namens „Jazz“ die europäische Musikkultur gründlich und nachhaltig aus dem Gleichgewicht brachte. Und sie richten ihr Interesse dabei auf Ereignisse, denen etwas Außergewöhnliches und daher Aufsehenerregendes innewohnte: das jähe Eindringen des „wilden“ Jazz in das biedere Musikleben westeuropäischer Metropolen der 1920er Jahre; das wechselvolle Schicksal jazzmusikalischer Aktivitäten unter den Regimes des sowjetischen Stalinismus und des deutschen Nationalsozialismus; die bizarre Situation der französischen Jazzszene während der Besetzung durch die deutschen Truppen; die europaweite Jazz-Euphorie der Nachkriegsjahre, in der der Jazz als Musik der Befreiung galt, ihr allmähliches Abklingen unter dem Einfluss des Rock ‚n’ Roll und der Beat Music, und – zu guter Letzt – die viel beschworene „europäische Jazz-Emanzipation“, in der sich europäische Musiker anschicken, den Vaterfiguren des amerikanischen Jazz den Rücken zu kehren und eigene Wege zu gehen. Josts Blick ist dabei immer auch auf die politische Dimension des Jazz gerichtet, eine Musik, die immer auch die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Tanzen bringen wollte.

Die Lesung wird begleitet von Musik des Trios Ekkehard Jost (Saxophon-Rainer Wintersckladen (Trompete) und Dieter Manderscheidt (Bass)

Ekkehard Jost ist Jazzsoziologe und Musiker. Als langjähriger Professor für Musikwissenschaft hat er mit seinen Publikationen in der internationalen Jazzforschung Wegmarken gesetzt. Im Dezember 2000 wurde er mit dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet. Als Baritonsaxophonist ist er den freien Spielweisen des Jazz verbunden. Veröffentlichungen u. a. „Free Jazz“.

Quelle: http://www.jazzmeile.org